Die Kaisergruft
Unter der Kapuzinerkirche verborgen, liegen die Gebeine der geschichtsträchtigen Familie Habsburg.
29/06/2026
🕯 Heute vor 151 Jahren starb Ferdinand I (Nr.62), er wurde 82 Jahre alt / Today 151 years ago Ferdinand I (No.62) died at the age of 82. 🕯
Als ältester Sohn aus der zweiten Ehe von Kaiser Franz II./I. (Nr.57) und Maria Theresia, Prinzessin beider Sizilien (Nr.60), kam Ferdinand (Nr.62) am 19.4.1793 zur Welt. Vermutlich als Folge der engen Verwandtschaft seiner Eltern, die Cousins ersten Grades in doppelter Linie waren, litt er unter einem Hydrocephalus, Rachitis, neurologischen Störungen wie Epilepsie sowie einem Sprachfehler. Da er auch körperlich stark beeinträchtigt war, konnte er an manchen Tagen nicht ohne Hilfe stehen. Dennoch zeigte er großes Interesse an Naturwissenschaften sowie Technik, spielte Klavier und Trompete und beherrschte fünf Sprachen. 1831 heiratete er die sardische Königstochter Maria Anna (Nr.63), die der Verbindung anfangs widerstrebte, ihren Gemahl jedoch bis zu dessen Lebensende aufopferungsvoll pflegte. In seine Regierungszeit fielen bedeutende Modernisierungsschritte wie der Ausbau der k.k. Nord- und Südbahn, die Errichtung der Kaiser-Ferdinand-Wasserleitung sowie die Gründungen der Wiener Philharmoniker und der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Die Ehe blieb kinderlos. Während der Revolution von 1848 gelang es der Kaiserin, Ferdinand zur Abdankung zugunsten seines Neffen Franz Joseph I. (Nr.142) zu bewegen. Der als „der Gütige“ bekannte Monarch hatte die Staatsgeschäfte weitgehend der Staatskonferenz unter der Leitung Metternichs überlassen, was den Ausbruch der revolutionären Aufstände maßgeblich befeuert hatte. Am 2.12.1848 erfolgte in Olmütz die offizielle Thronentsagung. Nach seinem Verzicht zog er sich auf den Prager Hradschin zurück und verbrachte die Sommermonate in der Kaiservilla in Bad Ischl, bis er im Alter von 82 Jahren in Prag verstarb.
Am 29.6.1875 erlitt Kaiser Ferdinand eine plötzliche Ohnmacht. Er wurde in sein Schlafkabinett gebracht, wo ihm die Sterbesakramente gespendet wurden. Die kaiserlichen Leibärzte befürchteten einen weiteren epileptischen Anfall, der das Atemzentrum lähmen könnte – eine Prognose, die eintraf: Ferdinand erlag einer lungenlähmenden Konvulsion. Am darauffolgenden Tag wurde der Leichnam nach habsburgischem Hofprotokoll einbalsamiert und zwei Tage später in der Prager Schlosskapelle öffentlich aufgebahrt. Nach einem feierlichen Requiem am 3.7. erfolgte am 4.7. der Überführungstransport per Bahn nach Wien. Am 6.7. wurde der Sarg in die Kaisergruft (Ferdinandsgruft) geleitet. Dort ruht der ehemalige Kaiser in einem von A. M. Beschorner gefertigten, truhenförmigen Kupfersarg mit Silberbronzierung, der auf monumentalen Löwenfüßen und einem weißen Marmorsockel positioniert ist. Als heraldische Sargdekoration dienen der kaiserliche Doppeladler, die österreichische Kaiserkrone, Lorbeerkränze und Löwenmasken.
(english version)
As the eldest son from the second marriage of Emperor Franz II/I (No.57) and Maria Theresa, Princess of the Two Sicilies (No.60), Ferdinand (No.62) was born on 19.4.1793. Presumably as a result of the close genetic relationship of his parents, who were double first cousins, he suffered from hydrocephalus, rickets, neurological disorders such as epilepsy, and a speech impediment. Since he was also severely physically impaired, he was unable to stand without assistance on some days. Nevertheless, he showed a keen interest in natural sciences and technology, played the piano and trumpet, and mastered five languages. In 1831, he married the Sardinian princess Maria Anna (No.63), who initially resisted the union but devotedly cared for her spouse until the end of his life. His reign saw significant modernization steps, such as the expansion of the k.k. North and South Railways, the construction of the Kaiser-Ferdinand Water Pipeline, and the foundations of the Vienna Philharmonic and the Imperial Academy of Sciences. The marriage remained childless. During the Revolution of 1848, the Empress succeeded in persuading Ferdinand to abdicate in favor of his nephew Franz Joseph I (No.142). The monarch, known as "the Benign" ("der Gütige"), had largely left state affairs to the State Council under Metternich's leadership, which had significantly fueled the outbreak of the revolutionary uprisings. On 2.12.1848, his official abdication took place in Olomouc. After his renunciation of the throne, he retired to the Hradčany in Prague and spent the summer months at the Kaiservilla in Bad Ischl until he passed away in Prague at the age of 82.
On 29.6.1875, Emperor Ferdinand suffered a sudden fainting spell. He was brought to his bedchamber, where the last rites were administered to him. The imperial personal physicians feared another epileptic seizure that could paralyze the respiratory center—a prognosis that proved correct: Ferdinand succumbed to a lung-paralyzing convulsion. The following day, the co**se was embalmed according to Habsburg court protocol and laid out in state two days later in the Prague Castle Chapel. Following a solemn requiem on July 3, the transfer transport to Vienna by rail took place on July 4. On July 6, the coffin was escorted into the Imperial Crypt (Ferdinand Crypt). There, the former emperor rests in a chest-shaped, silver-bronzed copper coffin manufactured by A. M. Beschorner, which is positioned on monumental lion feet on a white marble pedestal. The heraldic decorations of the coffin include the imperial double-headed eagle, the Austrian imperial crown, laurel wreaths, and lion masks.
Source:
Kaiser Ferdinand I, Eduard Edlinger, 1843, Wikimedia Commons CC0.
Die Krönung Kaiser Ferdinands I. zum böhmischen König im Veitsdom zu Prag 1836, Gemälde von Eduard Gurk, Wikimedia Commons CC0.
Die Prager Burg am Hradschin, A. Groll, Panorama Malé strany a Hradčan 1856, Wikimedia Commons CC0.
Portrait von Ferdinand I, Wilhelm Rupp, 1860er, Prague - http://fkb.onb.ac.at/forschungsergebnisse/fideikommiss-inhaber, Wikimedia Commons CC0.
Sargfotos S. Schmid
19/06/2026
🕯 Heute vor 159 Jahren starb Kaiser Maximilian von Mexiko (Nr.126), im Alter von 34 Jahren. / Today 159 years ago emperor Maximilian of Mexico (No.126) died, at the age of 34 years old. 🕯
Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich (Nr. 126) war das zweite Kind von Erzherzog Franz Karl von Österreich (Nr. 135) und Prinzessin Sophie Friederike von Bayern (Nr. 137). Sein älterer Bruder Franz Joseph (Nr. 142) bestieg nach der Revolution 1848 den österreichischen Kaiserthron. Aufgrund seines freundlichen und unkomplizierten Wesens war Maximilian bei der Bevölkerung weitaus beliebter als sein Bruder.
Angetrieben von seiner Sehnsucht nach der Ferne, interessierte sich Maximilian früh für die Seefahrt und unternahm ausgiebige Reisen, etwa nach Brasilien. Bereits mit 22 Jahren wurde er zum Konteradmiral der k.k. österreichischen Kriegsmarine ernannt. 1857 heiratete er die vermögende Prinzessin Charlotte von Belgien und trat im selben Jahr das Amt des Generalgouverneurs im Königreich Lombardo-Venetien an. Nach der schweren Niederlage in der Schlacht von Solferino – infolge derer die Lombardei an Sardinien verlorenging – zog sich Maximilian mit seiner Gemahlin nach Triest in das eigens für sie errichtete Schloss Miramare zurück.
Während einer diplomatischen Reise nach Frankreich unterbreitete der französische Kaiser Maximilian das Angebot, den Thron von Mexiko zu besteigen. Kaiser Napoléon III. beabsichtigte, dort ein von Frankreich abhängiges Reich zu etablieren. Beflügelt von der Vision, einen Staat nach eigenen Idealen zu regieren, und angetrieben vom Ehrgeiz seiner Frau, nahm Maximilian das Angebot an. Seine Bedingung war jedoch die ausdrückliche Zustimmung des mexikanischen Volkes. Man präsentierte ihm daraufhin das Ergebnis eines manipulierten Volksentscheids, das eine scheinbare Mehrheit vortäuschte. Auf Drängen seines Bruders Kaiser Franz Joseph I. musste er zuvor auf alle Erbansprüche in Österreich verzichten. Am 10.4.1864 ließ er sich schließlich im Schloss Miramare zum Kaiser Maximilian von Mexiko ausrufen. Erst im Land angekommen, bemerkte das junge Kaiserpaar, dass es keineswegs willkommen war; die Bevölkerung stand treu hinter dem abgesetzten Präsidenten Benito Juárez. Zudem musste Maximilian feststellen, dass auch die Vereinigten Staaten auf der Seite von Juárez standen. Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs zogen die französischen Schutztruppen 1866 vertragswidrig ab, wodurch Maximilians Stellung endgültig kollabierte. Auf Drängen seiner Mutter blieb er dennoch im Land, wurde 1867 in der Stadt Querétaro gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Sein Bruder Franz Joseph I. erwog zwar eine militärische Intervention, konnte jedoch keinen Krieg mit den USA riskieren. Einen Monat später, am 19.6.1867, wurde Kaiser Maximilian als Hochverräter Mexikos standrechtlich erschossen.
Sein letzter Wunsch war es gewesen, dass sein Gesicht geschont werde, damit seine Mutter seinen Leichnam identifizieren könne. Nach der Exekution wurde sein Körper in das Kapuzinerkloster von Querétaro überführt, wo ein Militärarzt und ein Gynäkologe die Einbalsamierung mit Formaldehyd vornahmen. Diese Prozedur missglückte jedoch so gründlich, dass sie einige Monate später wiederholt werden musste. Erst im November 1867 gelang es Admiral Tegetthoff nach zähen Verhandlungen, den stark versehrten Leichnam beizusetzen und nach Österreich heimzuholen. Sieben Monate nach seinem Tod wurde er am 18.1.1868 feierlich mit einem Sechsspänner in die Hofburg überführt und in der Kaisergruft beigesetzt. Seinen Kupfersarg zieren bis heute das mexikanische Wappen sowie historische Inschriftentafeln.
(english version)
Archduke Ferdinand Maximilian Joseph Maria of Austria (No.126) was the second child of Archduke Franz Karl of Austria (No.135) and Princess Sophie Friederike of Bavaria (No.137). His older brother Franz Joseph (No.142) ascended the Austrian imperial throne after the revolution of 1848. Due to his friendly and uncomplicated nature, Maximilian was far more popular with the population than his brother.
Driven by his longing for the faraway, Maximilian developed an early interest in seafaring and undertook extensive journeys, such as to Brazil. Already at 22 years old, he was appointed Rear Admiral of the k.k. Austrian Navy. In 1857, he married the wealthy Princess Charlotte of Belgium and, in the same year, assumed the office of Governor-General in the Kingdom of Lombardy-Venetia. After the heavy defeat in the Battle of Solferino – because of which Lombardy was lost to Sardinia – Maximilian withdrew with his spouse to Trieste, to Miramare Castle, which had been built especially for them.
During a diplomatic journey to France, the French emperor extended the offer to Maximilian to ascend the throne of Mexico. Emperor Napoléon III intended to establish an empire there that was dependent on France. Inspired by the vision of ruling a state according to his own ideals, and driven by his wife's ambition, Maximilian accepted the offer. His condition, however, was the explicit approval of the Mexican people. He was subsequently presented with the result of a rigged referendum that feigned a seeming majority. At the urging of his brother, Emperor Franz Joseph I, he first had to renounce all claims to inheritance in Austria. On 10.4.1864, he finally had himself proclaimed Emperor Maximilian of Mexico at Miramare Castle. Only upon arriving in the country did the young imperial couple notice that they were by no means welcome; the population stood loyally behind the deposed President Benito Juárez. Furthermore, Maximilian had to realize that the United States also stood on the side of Juárez. After the end of the American Civil War, the French protective troops withdrew in 1866 in breach of treaty, causing Maximilian's position to collapse completely. At the urging of his mother, he nevertheless remained in the country, was captured in the city of Querétaro in 1867, and sentenced to death. His brother Franz Joseph I did consider a military intervention but could not risk a war with the USA. A month later, on 19.6.1867, Emperor Maximilian was executed by firing squad as a traitor to Mexico.
His last wish had been that his face be spared, so that his mother could identify his body. After the ex*****on, his body was transferred to the Capuchin monastery of Querétaro, where a military doctor and a gynecologist performed the embalming with formaldehyde. However, this procedure failed so thoroughly that it had to be repeated a few months later. It was not until November 1867 that Admiral Tegetthoff, after tough negotiations, succeeded in recovering the badly damaged body and bringing it home to Austria. Seven months after his death, on 18.1.1868, he was solemnly transferred to the Hofburg in a carriage drawn by six horses and buried in the Imperial Crypt. His copper coffin is still adorned to this day by the Mexican coat of arms as well as historical inscription plaques.
Source:
Portrait of Maximilian I of Mexico, A. Graefle, 1865, Museo Nacional de Historia, Wikimedia Commons CC0.
Seine Landung in Mexiko, zu Seiten seiner Gemahlin Charlotte. Zeitgenössische Darstellung, R. Korty, 19Jh., ÖNB Inv. 112B0635.
Maximilian I., Kaiser von Mexiko und seine Ehefrau Charlotte, L.J. Ghémar, um 1860, ÖNB Inv. 10DF4032.
The Ex*****on of Emperor Maximilian of Mexico,19. June.1867, E. Manet, 1868, Kunsthalle Mannheim, Wikimedia Commons CC0.
Body of Emperor Maximilian I of Mexico, F. Aubert, nach 19.6.1867, Wikimedia Commons CC0.
Sargfotos P. Grubits, S. Schmid.
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