Rave Up Records

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RAVE UP EMPFEHLUNGEN #10 2026 15/05/2026

Liebe Freundinnen und Freunde und Music Lover, werte Stammkundschaft!

Zuerst die gute Nachricht: Das Universum existiert noch, wie der Blick auf die erdabgewandte Seite des Mondes beweist. Das ist erfreulich. Weniger erfreulich ist der Blick auf den Emotional Weather Report, der die emotionale Weltlage wie eine Wettervorhersage versucht anzugeben. Der (un-)wetterkundige Tom Waits stuft sie mit seinen feinnervigen meteorologischen Instrumenten bekanntermaßen als wechselhaft bis katastrophal ein: Tiefs über den eigenen Beziehungen. Hochdruckgebiete über Dingen, die man besser vergessen hätte. Eine hereinziehende Kaltfront aus dem Nordwesten des Unterbewusstseins.
Eine andere Wetterkundige, Patti Smith, arbeitete als Teenager in einer Fabrik, in der Kinderwagen hergestellt wurden. Eine leicht exzentrische Form gestalterischer Tätigkeit für eine Poetin: kreativer Geist baut an Fortbewegungsmittel für potentielle kreative Geister, die noch nicht laufen können. Ihr Song „Piss Factory“ ist kein Protestsong, sondern ein Reinigungsritual – ein Selbstgespräch mit Zeugen. Mehr Sprechen als Singen, weil es echter kommt, wenn die Wut groß genug ist. Im Jahr 1926 bannte ein gewisser Christopher Bouchillon aus South Carolina etwas auf Schallplatte, das er „Born in Hard Luck“ nannte. Er sang nicht, er sprach. Rhythmisch, humoristisch. Mit der Gelassenheit eines Mannes, dem das Leben oft genug lauthals ins Gesicht gelacht hat, bis er selbst anfing zu lachen. Was Bouchillon damals schuf, wurde zur Blaupause eines ganzen Musikgenres. Das Universum existiert seit vielen Milliarden Jahren, der Talking Blues seit 1926 – beides fühlt sich manchmal länger an. Diese Art des Vortrags fand schnell ihre Nachfolger. Emmett Miller brachte dem scheinbar simplen Gesangsstil mit „The Gypsy“ eine vaudevilleske Schräglage bei. Ernest Tubb trug den Blues wie andere Leute einen Hut: unaufdringlich, aber immer auf dem Kopf. Mance Lipscomb sprach den Blues, weil er ihn lebte – manche Künstler besuchen den Blues wie ein Museum, Lipscomb aber war sein Hausmeister. Townes Van Zandt war der große stille Erzähler kleiner poetischer Geschichten. Phil Ochs protestierte mit trockenem Witz und der festen Überzeugung, dass Ironie eine politische Waffe ist – ungenauer als ein Gewehr, aber mit höherer Reichweite. Merritt Herring tat dasselbe, nur leiser. Ani DiFrancos Fuel Lyrics sind kein Talking Blues im engeren Sinne, doch etwas Verwandtes: Wort als Treibstoff, Stimme als Motor, Botschaft als Zündung. Die Stimme ist das älteste Musikinstrument, älter als die Trommel, älter als die Flöte. Sie wurde nicht erfunden. Sie war einfach da. Und irgendwann beschloss ein Mensch, sie rhythmisch einzubetten. Erst in jüngerer Vergangenheit ein anderer, das mündlich Weitergegebene aufzuschreiben. Und schließlich in jüngster Zeit, es zu senden.
Willkommen bei Rave Up Records. Hier ist Ihr Emotional Weather Report. Tief über dem Kopf. Hochdruck im Herzen. Vereinzelte Schauer aus Nostalgie bis in den späten Abend. Und morgen: weiterhin unbeständig.

RAVE UP EMPFEHLUNGEN #10 2026 Zuerst die gute Nachricht: Das Universum existiert noch, wie der Blick auf die erdabgewandte Seite des Mondes beweist. Das ist erfreulich. Weniger erfreulich ist der Blick auf den Emotional Weather Report, der die emotionale Weltlage wie eine Wettervorhersage versucht anzugeben. Der (un-)wetterkundi...

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