Angesehen 2015
ANGE(SE)HEN. Gesichter einer Stadt
Kunstausstellung im Basler Münster
25. Oktober – 8. November 2015 Philipp Roth (Projektverantwortung)
Mit ANGE(SE)HEN.
07/11/2015
île flottante | Nica Giuliani & Andrea Gsell
THIS WAY
2015
Leuchtschild: Metall, Plexiglas, LEDs, Sensorik, Akkus, Steuerung
107 × 50 × 15 cm
Interaktive Installation
THIS WAY signalisieren die Lettern der interaktiven Installation von île flottante von Weitem gut sichtbar und hell leuchtend. Das scheint eine klare Anweisung zu sein, die wohl zu einem Leitsystem gehört und formal an die Verkehrsschilder «one way» in englischsprachigen Ländern erinnert. «Hier entlang» könnte man also übersetzen. Oder geht es etwa um eine Beschreibung im Sinne von «Dies ist der Weg»? Nähert man sich dem Leuchtschild, so verblassen die Buchstaben irritierenderweise immer mehr, bis man vor einem gänzlich schwarzen Schild steht. Orientierung oder Beschreibung sind verschwunden. Wohin also nun sich wenden? Oder hat man etwa «Diesen Weg» gerade zurückgelegt?
île flottante platzieren ihre Installation keck an einem mit religiöser Bedeutung aufgeladenen Ort in der Vierung des Münsters vor dem steinernen Abendmahlaltar. Sie führen damit Besucher oder Gläubige an einen Ort, den diese sonst respektvoll nicht betreten. THIS WAY ist direkt an die Besucher adressiert und schafft eine Beziehung, die nicht eindeutig entschlüsselbar ist. Ob es sich bei diesem bezeichneten Weg um einen Lebensweg oder um einen Glaubensweg handelt, bleibt offen und liegt in der Entscheidung der Betrachter. Zugleich zeigt THIS WAY spielerisch auf, wie leicht man ein Ziel aus den Augen verlieren kann.
Seit 2003 realisieren die beiden Künstlerinnen Nica Giuliani (*1980) und Andrea Gsell (*1974) gemeinsam als île flottante künstlerische Projekte, in denen sie reale und imaginäre Räume untersuchen. Dabei bewegen sie sich hauptsächlich in den Feldern der Medienkunst und Installation.
www.ileflottante.ch
05/11/2015
Michel Winterberg
Angesehen
2015
Röhrenmonitor, Tracking-System
Interaktive Videoinstallation
In Angesehen blickt ein grosses Auge aus einem Röhrenmonitor auf die sich in der Nähe befindenden Besucher und folgt ihnen, wenn sie sich im Raum bewegen. Dieser körperlose Blick eines menschlichen Auges ist irritierend. Man fühlt sich angeblickt und weiss doch, dass man nicht gesehen wird. Trotzdem gelingt es nicht vollständig, sich dem Gefühl zu entziehen, ausgeliefert, erkannt und durchschaut zu sein. Erst durch überlegtes eigenes Handeln kann man der Macht dieses Blickes entkommen und den Spiess sozusagen umdrehen: Tatsächlich ist dieses Auge reines Objekt, dessen Steuerung wir durch unser Handeln beeinflussen können. So kann ein wechselseitiges Spiel zwischen Kunstwerk und Betrachter entstehen, in dem eine klare Rollenzuordnung von Objekt und Subjekt immer wieder unterlaufen wird. Dies funktioniert aber nur dann, wenn man sich alleine vor dem Werk befindet. Ist das Auge mit einer Gruppe konfrontiert, springt der Blick von einem zum anderen, alle fühlen sich immer wieder erblickt. Als Einzelner kann man dieser Dynamik nur durch ein Sich-Entziehen entkommen.
In seiner Arbeit thematisiert Winterberg die Erfahrung des Erblicktwerdens, die grundlegend ist für die menschliche Existenz und die Konstitution des eigenen Selbst. Als Mensch in der Welt ist man auf ein Gegenüber angewiesen, das einem von klein auf Feedback gibt und die eigene Existenz bestätigt. Angesehen referiert aber auch auf die heutige, flächendeckende Beobachtung der Gesellschaft: Unzählige Überwachungskameras und Webcams nehmen kontinuierlich im öffentlichen Raum auf. Ob und von wem man tatsächlich gesehen wird, kann der Einzelne nicht überprüfen. Auch kann nicht eingeschätzt werden, ob dieses Angesehen-Werden dem Schutz oder der Kontrolle dient. Durch seine Platzierung im Kirchenraum erfährt Angesehen eine zusätzliche Aufladung in Bezug zum «Allsehenden Auge» oder «Auge der Vorsehung».
Michel Winterberg (*1972) lebt in Basel und arbeitet bevorzugt mit interaktiven audiovisuellen Installationen. Er programmiert Echtzeitentwicklungsumgebungen
und Physical Computing, zudem produziert er elektronische Musik und entwickelt Sound Designs. Er ist technischer Leiter des HeK in Basel.
www.michelwinterberg.ch
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Webseite
Adresse
Rittergasse 3
Basel
4051
Öffnungszeiten
| Montag | 11:00 - 20:00 |
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