Heute ist Sonntag, 11:08 Uhr und ich bin noch wach.
Gerade in solchen Momenten denkt man gerne melancholisch über sein bisheriges Leben und über die Entscheidungen, die man in der Vergangenheit getroffen hat und in der Zukunft noch ganz bestimmt treffen muss, zweimal nach. Die Sonne bahnt sich langsam aber sicher den Weg durch die Schlitze der runtergelassenen Rolladen und der stehende Rauch im Raum bildet im Schein des Sonnenlichts die wahnwitzigsten Formen und Figuren.
Über Peppi’s Sennheiser krachen die Synthesizer von „in the flood“ so erbarmungslos auf meine Psyche ein, dass ich gar nicht so recht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. Ich würde das Gefühl unglaublich gern beschreiben, damit man wenigstens im Ansatz das Verständnis dafür aufbringen kann, was dieser Beat mit mir macht. Dieser, anscheinend unbändige Ausbruch von Endorphinen, die meinen ganzen Körper in ein wohlig-warmes Kribbeln einhüllen und mein Herz mit nichts außer Glückseligkeit füllen - und eben diesem nie-aufhörenden Beat.
und mir geht es gut.
Die, beinahe reflexartige Bewegung meines rechten Fußes beim Einsetzen der Hi-Hats, das fette Grinsen und das verständnisvolle Nicken beim Drop und das Zurückziehen von all dem Stress, den ganzen Sorgen und der Hektik die uns Tag ein, Tag aus umgibt, sobald die Kopfhörer die Ohrmuscheln umschließen.
Mir ist es eigentlich völlig wumpe ob ganz „regulärer" Techno oder doch Techhouse, Deephouse, Acid, House, Minimal, Elektronika oder was es sonst noch alles für Unterkategorien gibt.
Für mich äußert sich die Besonderheit der Musikrichtung nicht ausschließlich in Form von ihren Klängen und den durchdringenden Bässen, sondern vielmehr im Großen und Ganzen. Die Art und Weise wie die Menschen, die das Prinzip des Technos' verstanden haben, leben, lieben, denken und handeln hat mich zutiefst beeindruckt. Nicht immer zuerst davon auszugehen, dass ihr, zurzeit primäres Problem vor denen aller anderen kommt - generell seine Probleme nicht immer an den höchsten Zipfel, des höchsten Baumes, des höchsten Berges zu hängen, nur um dann rumjammern zu können, wie ungerecht das Leben doch eigentlich ist - denn von Gerechtigkeit will ich gar nicht erst anfangen…
Sie haben ihren ganz eigenen Weg des Widerstandes gefunden.
Was bringt es denn, Waffen mit Waffen zu bekämpfen? Gewalt mit Gewalt zu vergelten? Auge um Auge und Zahn um Zahn oder wie?
Denn sobald die Void zum nächtlichen Tanz bittet, sich die roten Laserstrahlen ihren Weg durch den dunklen, von Kippen und Schweiß vernebelten Raum bahnen und die Feuerschutztüren hinter einem ins schwere Schloss fallen, begibt man sich in eine andere Welt. Mittendrin und doch so unendlich weit weg. All das, was meine Gedanken noch vor ein paar Minuten so penetrant und mit voller Wucht in ihren Bann gezogen hatte, ist auf einmal nicht mehr da. Eigentlich ist gar nichts mehr so richtig richtig. Keine leise Stimme in meinem Kopf die mir sagt, dass ich eigentlich viel mehr schlafen, mich gesünder ernähren, deutlich sparsamer leben, nicht hinterfragen und doch bitte ja keine Fehler machen sollte. Nichts was mich hemmt, nichts was mich belastet und nichts was mich an morgen denken lässt.
Es geht nur darum glücklich zu sein… und ich bin glücklich.
Vielleicht nicht jeden Tag, zu jeder Minute und auf die Sekunde genau, aber darum geht es hierbei ja auch gar nicht. Zu wissen, dass ein kleines Fünkchen Glück und noch eine größere Portion Hoffnung nur einen kurzen Knopfdruck, einen leichten Fingertip und ein Rollen am Rädchen von mir entfernt sind, lässt mich strahlen. Ich mein jeder Einzelne von uns lebt in seiner eigenen kleinen, selbstgebauten Blase. Manche mit voller Absicht, wiederum andere wehren sich dagegen und wollen es nicht wahr haben und ja, es gibt auch diejenigen, die gar nicht erst bemerkt haben, dass auch sie etwas umschließt.
aber ich bin glücklich