Ottilie Stuttgart

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Laden für faire Frauenmode & Accessoires: individuell, liebevoll entworfen und verantwortlich produ

03/10/2022

Ich bewundere Dich so...

dass Du selbständig bist. Das klingt schön. Ja. Aber mal ehrlich. Mein Angestellten Dasein war ungefähr so:

Nach 5,5 Jahren Studium und Doppeldiplom erste Anstellung auf einem Abenteuerspielplatz. Die Kommune hat mich mit Gewerbesteuereinahmen vom Konzern mit dem grossen Stern auf der Motorhaube bezahlt, trotzdem unter Tarif. Sorry, not sorry.

Ich war mit zwei Kollegen zuständig für die Aufsicht & für das Programm für 40 bis 50 Kinder täglich. Das hieß viel körperliche Arbeit, Laufen über den grossen Platz, spielen, um die Tischtennisplattte rennen. Ein viel zu hoher Lärmpegel im zu kleinen Spielhaus. Dann noch zusätzliche Projekte usw. Am Wochenende war ich platt, habe oft nicht mal gekocht. Montags hatte ich frei. Stille um mich herum. Migräne kam regelmäßig.

Dann fing das Mobbing an. Die männlichen Kollegen, beide überarbeitet und freudlos, kritisierten mich ständig. Es war nie recht. Die Eltern und Kinder gaben mit stets gutes Feedback und es hat mir Freude gemacht mit ihnen zu arbeiten. Meine Chefin wusste davon und entschuldigte sich bei mir, griff aber nicht ein.
Nach 1,5 Jahren lief der Vertrag aus. Keinen Tag hätte ich es länger geschafft. Ich war gefühlt unten angekommen.

Aber wusste, so etwas mache ich nie wieder. Und dieses Versprechen habe ich mir selbst gegenüber eingelöst.

Dann kam die Idee auf etwas eigenes zu machen. Ich begann erste Visionen in meine Journale zu schreiben. Genug Zeit hatte ich, ich war ja arbeitslos... äh suchend meine ich.

Warum schreibe ich das jetzt?

Heute hatte ich so voll den Flashback, wie mein Leben jetzt ist und wie es mal war.
Gerade sind meine Kids krank und trotzdem habe ich keinen Stress. Ich arbeite hier Schritt für Schritt meinen Kurs fürs Texten durch. Arbeite an der Webseite. Teile mir die Zeit ein. Riskiere weder meine mentale Gesundheit noch arbeite ich mich körperlich in die Erschöpfung rein.

Deshalb war und ist meine Selbständigkeit nur ein logischer Schritt für mich gewesen. Jammern war gestern. Heute wirds anders gemacht.

Hab noch einen frohen Resttag!

14/09/2022

Die Geisterbeschwörerin

An einem gewöhnlichen Morgen sitze ich bei meiner Schwiegermutter vor dem Haus im schattigen Innenhof in Accra und schlürfe meinen Kaffee. Die Sonne scheint und ich bin recht entspannt.

Da erfüllt plötzlich ein hohes Kreischen die Luft, ein Ton erklingt, den ich noch nie zuvor gehört habe. Eine Mischung aus anhaltendem Geschrei, schrillem Gesang und klirrendem Schreien, es gibt kein passendes Wort dafür.

Etwas Schlimmes muss passiert sein denke ich. Wir treten aus dem Haus und sehen sie. Eine Frau steht mittig auf der Strasse. Sie trägt einen roten knielangen Rock und ein schwarzes Oberteil, sie ist barfuß und an ihrem Knöchel sind kleine Glöckchen um ein Band befestigt. Sie bewegt sich tanzend, dreht sich und hat ein blechernes Ding in der Hand, das zusätzlich Krach macht.

Die Strasse ist ungewöhnlich leergefegt, es ist absolut still, kein Mensch ist zu sehen. Die Frau ist im Mittelpunkt des Geschehens.

Das ist die Geisterbeschwörerin meint mein Mann ganz gelassen. Warum ist sie hier, frage ich.
Felix geht los und erkundigt sich. Tatsächlich haben die Nachbarin die Beschwörerin gerufen. Ihnen wurde ein neu gekauftes Motorrad geklaut, am hellichten Tag. Nun soll die Geisterbeschwörerin dem Dieb klarmachen, dass er freiwillig das Motorrad zurückbringen soll.
Die Frau läuft die Strasse auf und ab, ihre Zeremonie geht noch eine ganze Weile.
Ihre Warnung ist mächtig, ihre Haltung ausdrucksstark. Ich bin beeindruckt.

Jeder hört sie, das ist klar. Sie sieht wie eine Kriegerin aus. Stolz und furchteinflössend.

Das ist Ghana 2022. Moderne Grossstadt trifft auf Tradition.

Wurde der / die Diebe gefunden?. Leider nicht. Das Motorrad blieb verschollen.

06/09/2022

Wie ich nach Ghana kam Teil III

Unser Workcamp führt uns nach ein paar Tagen aus der Hauptstadt Accra hinaus einmal quer durchs Land.

In alten umgebauten Mercedesbussen, die erstaunlich geländegängig sind, fahren wir weiter. Ins nächste Dorf, von dort weiter, immer weiter. Wir zelten meist hinter den Bussen direkt in den Dörfern. Machen Halt in der Goldstadt Kumasi, campen am Süsswassersee Lake Busomtwi, pausieren in der ehemaligen Sklavenstadt Elmina an der Goldküste und streichen eine Schule an der Grenze zur Elfenbeinküste.

Die Natur ist atemberaubend schön, eine grüne Urpflanzenwelt wie im Film. Das Aufwachen im Zelt inmitten der tropischen Geräusche ist mir unvergesslich und ich beginne das Land mehr und mehr zu mögen.

Morgens bekommen wir in der Regel eine grosse Wasserflasche und es gibt Bananen ohne Ende zu essen. Das Essen ist karg, die Organisation schafft es nicht uns anständig zu verköstigen. Oft gibt es zum Mittagessen nur Orangen, Brot oder Bananen.

Ich beginne mir Kekse zu kaufen und Nestle Breipulver anzurühren, trinke Cola gegen den Hunger. Ja, ich habe Hunger.
Wir sind in Dörfern, wo uns gekochte Wurzeln mit Tomatensauce vorgesetzt werden, mehr gibt es nicht den ganzen Tag. Dazu plagt mich ein nie endender Durchfall.

Diese Reise fasziniert und stößt mich gleichzeitig ab, wie nichts zuvor. Schönes wechselt sich mit Schrecklichem ab, meine Grenzen werden überschritten, dann wieder erlebe ich Gemeinschaft und blicke in frohe Gesichter. Viele Fragen stelle ich mir abends in meinem Zelt.

Wie gehe ich mit der Armut um, die mir begegnet?

Warum ist der Leiter A. so offen rassistisch und organisiert dennoch jährliche Reisen hierher?

Was ist meine Rolle und was ist der Sinn dahinter?

Frage an Dich: welche Reise hat Dich nachhaltig geprägt, positiv wie negativ gesehen?

Letzter Teil morgen 💝

06/09/2022

Wie ich nach Ghana kam Teil II

Der Morgen bricht an, meine Freundin und ich arbeiten mit einer Gruppe Männer zusammen, wir mischen die Farbe und fangen an zu streichen. Niemand spricht, offenbar hat der Leiter A. die andere Seite auch gebrieft. Später in der Pause sage ich zu meiner Freundin E., du das macht mir echt gar keinen Spass, wenn wir nicht mal mit denen reden dürfen.

E. sieht das genauso und wir wagen den grossen Regelbruch. Wir sprechen die Ghanaer an. Wir rennen offene Türen ein und die Stimmung ist sofort freudig und gelockert. Die Ghanaer haben nur gewartet, bis wir den ersten Schritt machen. Der Leiter sieht das gar nicht gerne, er prophezeit uns Übles, es könne nur schlecht enden, wenn man sich mit einem Ghanaer befreundet. Spätere Heirat nicht ausgeschlossen.

Noch erstaunlicher ist, dass die anderen in der Gruppe, bis auf zwei weitere Frauen, diese absurde Regel befolgen. Die ganze Zeit über bleiben die Deutschen so weit es geht unter sich. Abends sitzen sie auf der Dachterasse und schreiben Postkarten und reden mit sich selbst.

Und wir sitzen unten bei den Arbeitern und quatschen, lernen uns kennen und machen Spiele. Die Frau des Kochs bringt uns ein Spiel mit Bohnen bei, wir hören wilde Geschichten über Voodoo, wir erzählen von unserem Leben in Europa. Es ist unterhaltsam und ich denke gerne daran zurück.

Überhaupt ist Voodoo ein großes Thema für die Menschen und es scheint in ihrem Alltag einen festen Platz zu haben. Eindringlich bitten sie uns die Geschichten zu glauben. Das tue ich auch. Es bleibt eine fremde und faszinierende Welt, die ich oft zwar nicht ganz verstehe, aber interessiert verfolge.

Eines habe ich also schon gelernt, die Ghanaer sind die freundlichsten, fröhlichsten Menschen. Nichts bringt sie aus der Ruhe oder macht sie wütend.

Immer wieder komme ich mit dem Leiter A. ins Gehege. Er merkt, dass wir uns nicht an seine Grenzen halten und droht uns "die werden euch noch beklauen". Eine leere Drohung, war ich doch schon dabei nach und nach meine Sachen aus meinem wieder aufgetauchten Koffer zu verschenken.

Fortsetzung folgt.

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