Trierische Rundschau

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02/04/2026

Endlich den Beruf gefunden, der sich richtig anfühlt

Judith Wagner ist über Umwege im Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Handwerk angekommen. „Durch Ausprobieren wird man nicht dümmer“, sagt die Auszubildende. Jetzt hat die Handwerkskammer Trier sie zum Lehrling des Monats ausgezeichnet.

Judith Wagner führt das flexible Lüftungsrohr durch die Deckenöffnung. Ein Griff, ein Zug, ein sauberer Bogen. Dann sitzt die Leitung genau dort, wo später kühle Luft ihren Weg findet. Die 22-Jährige ist zufrieden. Eine typische Szene aus dem Alltag der angehenden Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) im dritten Lehrjahr. Sie arbeitet nicht nur an Lüftungsanlagen, sondern auch an Klima- und Kältesystemen sowie an Anlagen für Trink- und Abwasser: Wege planen, Leitungen legen, Anlagen zum Laufen bringen. Zwischen Kanälen, Rohren und Systemen, die moderne Gebäude erst funktionsfähig machen, ist sie in ihrem Element. „Es ist schön, in einem Beruf zu arbeiten, der gefragt ist und in dem man gebraucht wird“, freut sich die junge Frau aus Esch bei Wittlich.

Ihr Weg ins Handwerk zeichnete sich früh ab. Schon als Kind packte sie daheim gerne mit an. Haus und Hof – da gab es immer viel zu tun, und alle halfen mit: „Zäune reparieren, Carport bauen, das Vieh füttern. Wir vier Schwestern und mein Bruder waren immer mit dabei“, erzählt sie. Auch im Werkraum der Integrierten Gesamtschule Salmtal zeigte sich, wo Judiths Leidenschaft liegt: Bohren, Löten, Schrauben & Co. „Wir hatten sehr engagierte Lehrer. Das hat viel ausgemacht“, sagt die Auszubildende.

Weil Judith nicht für die graue Theorie gemacht ist, ging sie in der Oberstufe ab und begann eine Ausbildung im Schreinerhandwerk. Doch die Chemie hat nicht gestimmt. Dann kam eine Tätigkeit im Einzelhandel – auch das war nicht das Richtige. Danach versuchte sie es als Technische Systemplanerin, brach aber auch hier nach einem halben Jahr ab: „Dauernd nur Büro – das war nicht meins.“ Für sie kein Scheitern, sondern ein Prozess: „Durch Ausprobieren wird man nicht dümmer.“

Dann kam SHK. Freunde – darunter auch ihr Partner – erzählten von ihrer Arbeit im Handwerk, von Baustellen, von Erfüllung. Das klang ganz nach ihr. »Das wollte ich dann auch“, erinnert sie sich. So bewarb sie sich bei der Junkes Klimatechnik GmbH in Trier. Der Betrieb ist auf industrielle Lüftungstechnik, Klimatechnik, Rohrleitungsbau, Wärmetechnik, Reinraumtechnik und Kältetechnik spezialisiert. Dort lernt sie seit Februar 2024 den Beruf SHK-Anlagenmechanikerin in verkürzter Ausbildungszeit. „Unsere erste Azubine im Anlagenbau seit 26 Jahren, und wir sind sehr froh darüber“, betont Betty Gilles von der Firma Junkes.



Als Frau in einem typischen Männerberuf zu arbeiten, ist für sie kein großes Ding – für Außenstehende schon eher. „Ich werde oft gefragt, wie ich auf den Beruf gekommen bin. Und ob der nicht zu schwer für eine Frau ist, zumal einige Materialien ihr Gewicht haben“, sagt sie. „Es kann zwar schon mal vorkommen, dass ich körperlich an meine Grenzen komme. Aber dann hilft mir unser Team. Die Kollegen nehmen Rücksicht, fragen nach und sind bei Bedarf zur Stelle.“ Meistens geht es ohne Unterstützung. „Die läuft wie die Jungs mit“ hört sie oft und gerne. Sich von klassischen Männerdomänen nicht einschüchtern zu lassen, ist ihr wichtig: „Es freut mich, dass ich mithalten und das auch zeigen kann.“



Wie es nach der Lehre weitergeht? Judith schmiedet schon Pläne: »Erstmal möchte ich den Elektro- oder Kälteschein machen, eventuell auch beide. Über kurz oder lang kann ich mir eine Qualifikation zur Obermonteurin oder Ausbilderin vorstellen. Der Meisterbrief wäre auch eine Option. Jedenfalls will ich nicht stillstehen, sondern neue Aufgaben übernehmen und mich laufend weiterbilden.«



Auch privat fasst die Handwerkerin oft und gerne mit an. Die Schwester feiert Abi, der Bruder Hochzeit? Judith backt für sie Torten. Omas Heizung schwächelt? Judith kümmert sich darum. Ihre Schwägerin braucht auf dem Reiterhof beim Sommerfest helfende Hände? Auf Judith kann sie zählen. Und als die Schwester ein Haus kauft, bringt Judith ihr Fachwissen mit ein. Das alles ist für sie selbstverständlich: „Meine Familie hat viel für mich getan. Ich gebe gerne etwas zurück und bin froh, wenn ich helfen kann.“ Die Auszubildende scheut keine Herausforderung, die Kopf und Hand gleichzeitig fordert. Viel-leicht liegt das in der Familie: Ihr Partner und ihr Bruder sind Elektroniker, ihre Schwester Architektin, der Vater Schlosser. In dieser Runde wird schon mal gescherzt: „Eigentlich könnten wir mit dieser Fachkräfte-Kombi längst unsere eigene Firma aufmachen.«



Die Handwerkskammer (HWK) Trier zeichnete Judith Wagner jetzt zum Lehrling des Monats (LdM) aus. Die Auszubildende verkörpert genau das, was modernes Handwerk ausmacht: Engagement, Lernbereitschaft, Teamfähigkeit – und den Mut, den eigenen Weg zu gehen, auch wenn der nicht von Anfang an feststeht. „Judith beweist, dass Talent, Neugier und Durchhaltevermögen mehr zählen als überholte Rollenbilder“, sagte Kammerpräsident Bernd Elsen bei der Urkundenübergabe in der HWK Trier. „Darüber hinaus zeigt sie, dass es manchmal mehrere Anläufe braucht, um das Richtige zu finden. Dass es wichtig ist, auf das eigene Gefühl zu hören. Und dass der richtige Platz manchmal genau dort liegt, wo man ihn früher nicht gesucht hätte.“

02/04/2026

Mosel erzählt ihre Geschichte: Regionalinitiative „Faszination Mosel“ startet KuLaDig-Projekt zu Trockenmauern

Die Moselregion macht ihre Kulturlandschaft sichtbar – und stellt dabei ein prägendes Element in den Mittelpunkt: die Trockenmauern der Steillagen. Die Regionalinitiative „Faszination Mosel“ wurde für das Jahr 2026 in die Förderkulisse von KuLaDig-RLP aufgenommen und setzt mit dem Projekt „Trockenmauern im Weinanbaugebiet Mosel – Landschaft als Erzählerin“ ein innovatives Vorhaben zur digitalen Vermittlung von Kulturlandschaft um.

Trockenmauern strukturieren seit Jahrhunderten die steilen Weinberge der Mosel, sichern Terrassen und ermöglichen Bewirtschaftung unter extremen Bedingungen. Gleichzeitig sind sie Ausdruck handwerklicher Tradition, Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und Zeugnisse einer einzigartigen Kulturlandschaft. Genau diese Vielfalt soll im Rahmen des Projekts sichtbar gemacht und digital erlebbar werden.

Ziel ist es, ausgewählte Standorte entlang der Mosel exemplarisch im landesweiten Kulturlandschaftsportal KuLaDig-RLP zu erfassen. Neben den Mauern selbst werden auch ihre Entstehung, Bauweise, Nutzung sowie ihre Bedeutung für Weinbau, Landschaft, Biodiversität und regionale Identität dokumentiert. Perspektivisch sollen die Inhalte auch über digitale Themenrouten und weitere Vermittlungsformate für Einheimische und Gäste zugänglich gemacht werden.

Die Moselregion übernimmt dabei eine besondere Rolle: Als einzige Regionalinitiative im Land ist „Faszination Mosel“ Teil der aktuellen Förderrunde und bringt die Vielfalt einer gesamten Kulturlandschaft in das Projekt ein. Die Umsetzung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Kommunen, Ehrenamtlichen, Fachakteuren und regionalen Initiativen.

Erste engagierte Projektpartner haben sich bereits gefunden: die Gruppe „Die Ameisen“ aus Traben-Trarbach mit ihrem Ansatz „Trockenmauern auf alten Pfaden“, die Ortsgemeinde Mesenich mit dem Kulturweg der Mesenicher „Steinreichkäpp“, die Lehmer Razejunge e.V. mit den Trockenmauern in der Lehmener Würzlay sowie die Gemeinde Müden mit dem Naturschutzprojekt „Auf der Krabaun“. Weitere Gemeinden und Akteure aus der Moselregion wurden zur Mitwirkung eingeladen.

Ein erster gemeinsamer Projekttermin findet am Mittwoch, 20. Mai 2026 im Gemeindehaus in der „Alten Post“ in Müden statt. Dort kommen die beteiligten Partner erstmals zusammen, um Inhalte, Standorte und Herangehensweisen gemeinsam zu entwickeln. Begleitet wird das Projekt durch das Forschungsteam der Hochschule Koblenz.

Das Projekt versteht sich ausdrücklich als gemeinschaftlicher Prozess: Gesucht werden weitere Kommunen, Initiativen und engagierte Bürger, die ihre Perspektiven, ihr Wissen und ihre Geschichten einbringen möchten. Ziel ist es, die Mosel als Kulturlandschaft nicht nur zu zeigen, sondern sie gemeinsam zu erzählen.

02/04/2026

Veranstaltungen im April 2026
www.museum-am-dom-trier.de

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