Retro Rewind

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05/03/2026

Anatoly Moskvin & die Puppen, die keine waren

Die Geschichte von Anatoly Moskvin gehört zu den verstörendsten Kriminalfällen der jüngeren Zeit – nicht wegen brutaler Gewalt, sondern wegen der tiefen Abgründe der menschlichen Psyche.

Als die Polizei 2011 seine Wohnung betrat, erwartete niemand, was sie dort vorfinden würde. In den Räumen saßen und lagen kleine „Puppen“, sorgfältig gekleidet, fast liebevoll arrangiert. Doch schnell wurde klar: Das waren keine Spielzeuge.

Moskvin, ein hochgebildeter Historiker mit besonderem Interesse an Friedhöfen und Bestattungsritualen, hatte über Jahre hinweg Gräber geöffnet. Die Körper junger Mädchen nahm er mit nach Hause und konservierte sie auf eine Weise, die ihre Zersetzung verlangsamte. Anschließend formte er sie zu puppenähnlichen Figuren.

Er selbst sah sich nicht als Täter, sondern als jemand, der „bewahrt“. In seinen Aussagen sprach er davon, die Kinder vor dem Vergessen zu schützen. Er glaubte sogar, dass sie eines Tages – durch Wissenschaft oder göttlichen Willen – wieder zum Leben erweckt werden könnten.

Es gab keine Hinweise darauf, dass er jemanden getötet hatte. Alle Kinder waren bereits beerdigt gewesen. Und doch bleibt die Tat schwer zu begreifen.

Der Fall wurde entdeckt, als seine Eltern nach längerer Abwesenheit in die Wohnung zurückkehrten und die Behörden informierten. Über 20 präparierte Körper wurden gefunden – gesammelt über fast ein Jahrzehnt.

Ein Gericht erklärte Moskvin später aufgrund paranoider Schizophrenie für schuldunfähig. Seitdem lebt er in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.

Dieser Fall zeigt, wie schmal die Grenze zwischen Intellekt und Wahnsinn sein kann. Bildung allein schützt nicht vor tiefen psychischen Störungen. Was hier passiert ist, wirkt unfassbar – und doch erinnert es daran, wie wichtig es ist, mentale Gesundheit ernst zu nehmen und früh zu erkennen.

Man muss nicht alles verstehen können. Aber man sollte versuchen, daraus zu lernen.

04/04/2026

Maggie Lena Walker (1864–1934) war eine echte Pionierin: Im Jahr 1903 gründete sie in Richmond, Virginia, die St. Luke Penny Savings Bank und wurde damit die erste afroamerikanische Frau, die in den USA eine Bank charterte und als Präsidentin leitete. In einer Zeit der Rassentrennung und systematischer Diskriminierung ermöglichte sie es schwarzen Familien, zu sparen, Kredite und Hypotheken aufzunehmen – etwas, das ihnen weiße Banken oft verwehrten.
Darüber hinaus eröffnete sie 1905 das St. Luke Emporium, ein Kaufhaus, in dem schwarze Kund:innen mit Würde einkaufen konnten: durch den Haupteingang, Kleidung anprobieren und ohne die demütigenden Regeln der Segregation. Walker zeigte eindrucksvoll, wie wirtschaftliche Selbsthilfe und Gemeinschaftssinn starke Veränderung bewirken können. Ihre Vision „Lasst uns unser Geld zusammenlegen und für uns selbst arbeiten“ ist bis heute inspirierend.
Eine beeindruckende Frau, die aus bescheidenen Verhältnissen kam und bleibende Spuren hinterließ.

03/27/2026

Diese beiden waren in den 70er- und 80er-Jahren absolute Samstagabend-Unterhaltung pur. Tommy Cannon und Bobby Ball verkörperten wie kaum ein anderes Duo das klassische britische „Saturday night telly“ – mit einer explosiven Mischung aus Slapstick, Gesangseinlagen und diesem herrlichen Reibungspotenzial zwischen den beiden, das das Publikum so liebte.
Ihr Erfolgsgeheimnis war die perfekte Chemie: Tommy, der smarte, elegante Straight Man, und Bobby, der chaotische „kleine Kerl“ mit den roten Hosenträgern. Bobbys legendärer Spruch „Rock on, Tommy!“ wurde zu einem festen Bestandteil der Alltagssprache. Er traf genau den Kern ihrer Dynamik – Bobby, der Tommy ständig auf die Probe stellte, während das Publikum jubelte und mitfieberte.
Sie waren echte Allround-Unterhalter, die ihre Sporen in den nordenglischen Arbeiterclubs verdient hatten und genau wussten, wie man ein Publikum packt. Ob in Sketchen, mit Gesang oder in der traditionellen Weihnachtspantomime – sie strahlten eine ansteckende Herzlichkeit aus, die absolut echt wirkte.
Auch als der Comedy-Stil sich in Richtung der „alternativen“ Szene veränderte, blieben Cannon and Ball beliebte Ikonen der alten Varieté-Ära. Sie standen für eine Zeit, in der die ganze Familie vor einem Fernseher zusammensaß und Entertainern zuschaute, die ihr Handwerk einfach meisterhaft beherrschten.
Sie waren nicht nur ein Duo – sie waren eine britische Institution, die uns über Jahrzehnte hinweg zum Lachen gebracht hat.

03/20/2026

Im Jahr 1942, im niederländischen Laren, stand Aart Vos in seinem Garten und blickte auf den Wald hinter seinem Haus. Wo andere nur Bäume sahen, sah er einen Ausweg. Zusammen mit seiner Frau Johtje Vos hatte er begonnen, jüdischen Nachbarn zu helfen – erst mit einem Koffer, dann mit einem Kind, dann mit ganzen Familien. Bald war ihr Haus überfüllt, die Gefahr allgegenwärtig. Also tat Aart etwas Unvorstellbares: Er grub einen Tunnel. Nacht für Nacht, mit bloßen Händen, 55 Meter lang – vom Haus bis in den Wald. Dazu kam ein geheimes Warnsignal: Zwei Klingelzeichen, Pause, zwei weitere. Dann hatten alle nur Sekunden. Innerhalb von 30 Sekunden konnten bis zu 14 Menschen verschwinden, lautlos durch die Erde, während oben scheinbar normales Familienleben stattfand.

Drei Jahre lang funktionierte dieses System. 36 Menschen überlebten so den Holocaust. Es gab Momente, in denen alles hätte scheitern können – ein falscher Schritt, ein Verräter an der Tür, eine einzige falsche Entscheidung. Doch Johtje vertraute ihrem Instinkt, wies einen falschen Flüchtling ab und rettete damit alle. Sie log der Gestapo ins Gesicht, bot ihnen Kaffee an – und gewann Zeit.

Nach dem Krieg sprachen sie kaum darüber. Für sie war es nichts Besonderes. „Wir waren nur gewöhnliche Menschen, die anderen geholfen haben“, sagte Johtje später. Doch genau das macht ihre Geschichte so außergewöhnlich. Sie waren keine Soldaten. Keine Helden im klassischen Sinn. Nur zwei Menschen mit Mut, einem Spaten – und der Entscheidung, nicht wegzusehen.

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